Vereine müssen erfinderisch sein, wollen sie ihren Mitgliedern in Zeiten des Lockdowns etwas bieten. Aber was ist mit Kontaktsportarten? Können Online-Angebote das Präsenztraining ersetzen?

 

Der Kickbox-Sportverein FriedbergDorn-Assenheim schreibt seit über Jahren eine ganz besondere Erfolgsgeschichte - national und international. Doch die Corona-Pandemie hat auch den Verein und seine Mitglieder ausgebremst. Der Vorsitzende und Cheftrainer Armando Regner spricht über eine herausfordernde Zeit.

 

Herr Regner, wie sehr leidet der Verein unter den Einschränkungen?

 

Das größte Problem ist, dass wir fast nicht in der Halle trainieren können. Man kann mit einer Person trainieren - zumindest bei uns in Friedberg ist das so. Aber das lohnt sich nicht wirklich.

 

Das ist schwierig. Besonders im Leistungssport. Wir haben ja mit Ebru Sezer und Julian Gaar auch zwei Sportler in der Nationalmannschaft. Es ist zwar schön, dass es Online-Training gibt und sich die Athleten zuhause beschäftigen können, aber es ist kein Ersatz für das richtige Training. Dazu kommt, dass den Sportlern meist die Möglichkeiten fehlen, das Online-Training richtig auszuführen. Im Kinderzimmer oder im Wohnzimmer funktioniert es eben nicht.

 

Vor den Sommerferien gab es eine Zeit, da konnten wir wieder mit leichtem Kontakt arbeiten. Das wurde aber nach den Herbstferien wieder komplett eingeschränkt. Anfang Oktober konnten noch die Hessenmeisterschaften in Biedenkopf durchgeführt werden, danach kamen wieder die Einschränkungen.

 

Ein wenig Unverständnis ist schon da. Dass wir im Moment keinen Kontaktsport machen können, ist klar. Darum geht es auch nicht. Aber es müsste doch möglich sein, zum Beispiel im Bereich Kraft und Ausdauer zu arbeiten. Die Vereine oder auch die Fitness-Studios haben Hygienekonzepte erarbeitet. Ich habe in unserer Halle in Friedberg vier mal vier Meter große Trainingsflächen abgeklebt, damit man sich nicht zu nahe kommt und trotzdem kontaktlos trainieren kann. Das geht aber nicht. Wenn das Hygienekonzept stimmt und die Räumlichkeiten passen, sollte solches Training möglich sein.

 

Wir haben um die Mitglieder. Unsere Wettkampfmannschaft mit zehn bis zwölf Athleten ist auf Landesebene im Einsatz. Ebru Sezer und Julian Gaar sind zudem noch in der Nationalmannschaft. Aber alle Bereiche leiden. Der Breitensport ist vollständig zum Erliegen gekommen. Da können wir froh sein, dass noch niemand gekündigt hat.

 

Was würden Sie sich von den Verantwortlichen in der Politik wünschen?

 

Ein paar Freiheiten mehr. Krafttraining, Ausdauereinheiten in der Gruppe wären schon ein Fortschritt. Das ist ein großes Anliegen. Die Sportarten, die vielleicht nicht immer diese TV-Präsenz haben, sollten nicht vernachlässigt werden. Es darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.

 

Sie haben das Online-Training angesprochen. Welche Möglichkeiten haben die Mitglieder beim KSV?

 

Das Online-Angebot läuft über den Verband, der das anbietet. Da kann sich jedes Mitglied einloggen. Zudem gibt es noch ein Programm, das ein Ausrüster ins Leben gerufen hat. Das funktioniert wirklich gut. Als kleiner Verein hat man nicht unbedingt das Equipment zur Verfügung, um so ein Online-Angebot richtig auf die Beine zu stellen. Insofern sind wir mit dem, was der Verband macht, gut aufgestellt.

 

Zwischen zehn und . Das beschränkt sich bei uns zum größten Teil auf die Spitzensportler und auf die, die weiterkommen wollen. Das Angebot richtet sich aber auch an die Breitensportler.

 

Sie haben es bereits angesprochen: Leidet der Verein im Lockdown unter Mitgliederschwund?

 

Nein, noch nicht. Bislang hat noch kein einziges Mitglied gekündigt. Darüber sind wir im Vorstand natürlich sehr froh. Die Bindung der Menschen an den Verein ist groß.

 

Training hat in normalen Zeiten eine sportliche, aber auch eine soziale Komponente. Die fällt ebenso weg. Wie fangen Sie das auf?

 

Wir haben eine WhatsApp-Gruppe, mit der ich Kontakt zu den Mitgliedern halte. Ich versuche, Mut zu machen. Je länger der Lockdown dauert, umso schwerer wird das allerdings. Aber die Mitglieder sollen wissen: Da ist jemand, der sich kümmert. Auch wenn es nur online ist.

 

Das ist wirklich tragisch, dass da im Moment nichts läuft. Ich finde es unheimlich wichtig, dass Kinder und Jugendliche im Training angeleitet werden. Nicht nur sportlich. Wir lehren auch Respekt. Ich will nicht wissen, wie viele Kinder sich im Moment zuhause langweilen.