Selbst machen liegt im Trend: Mehr als Milliarden Euro Umsatz verzeichneten Baumärkte Archivbild

 

Die Pandemie fördert den Trend des Heimwerkens. Die Baumärkte sind ein Krisengewinner und jubeln über Umsatzrekorde. Doch zu viel Euphorie beim Dübeln und Hämmern kann schnell in Selbstüberschätzung umschlagen.

 

Anlässe zum Jubeln gab es im vergangenen Jahr eher wenige. Baumärkte könnten das allerdings anders sehen: Sie hatten trotz der Pandemie lange allen Grund zur Freude. Denn bis zum Beginn des zweiten harten Lockdowns am . Dezember habe sich die gute Geschäftsentwicklung der ersten drei Quartale fortgesetzt, heißt es vom Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten BHB.

 

Damit hat die Branche zumindest etwas mehr entgegenzusetzen als andere Wirtschaftsbereiche. „Die vielen Sanierungs-, Renovierungs- und Verschönerungsprojekte, die unsere Kunden in den vergangenen Monaten angegangen sind, zeigen, dass das kreative Potenzial wie auch die Muße für Do-it-yourself-Projekte vorhanden sind“, sagt BHB-Hauptgeschäftsführer Peter Wüst.

 

Was für die Branche aber noch erfreulicher ist: Auch junge Leute hätten im vergangenen Jahr zunehmend den Weg in die Märkte gefunden, nicht nur die bekannte Zielgruppe der mittelalten bis älteren Heimwerker.

 

Vor der Pandemie habe man die Jüngeren mit „Do it yourself“ nicht zum Handanlegen bewegen können, aber seit Corona viele andere Freizeitbeschäftigungen verhindert, habe die Zielgruppe auch das Heimwerken entdeckt. Für sie nennt die Branche das dann schnittig-modern „Home Improvement“.

 

Ein neuer Trend ist geboren, und so dürfte der Umsatzrekord, der für die deutschen Bau- und Heimwerkermärkte über Milliarden Euro gelegen haben könnte, keine Ausnahme bleiben. Denn es wird viele Wiederholungstäter geben – es bleibt nicht bei der einen Bohrmaschine, dem Rasentrimmer oder dem Akkuschrauber. Wer einmal gedübelt hat, der will es wieder.

 

Leider geht dabei auch mal etwas schief. Laut Deutschem Kuratorium für Sicherheit in Heim und Freizeit DSH ereignen sich pro Jahr in Deutschland rund . Unfälle beim Heimwerken. Dabei gebe es eine hohe Dunkelziffer, denn nicht alle Unfälle oder Verletzungen, die beim Dübeln und Bohren geschehen, würden auch als solche erfasst. Ob die Pandemie auch hier zu einem Anstieg der Zahlen führte, ist noch nicht bekannt.

 

Bekannt sind aber die häufigsten Unfallursachen. Ganz oben stehen die unsachgemäße Nutzung von Werkzeugen oder der Verzicht auf das Tragen von Schutzkleidung. Das DSH warnt zudem, dass sich die Unfallgefahr durch unkonzentriertes Arbeiten oder Selbstüberschätzung erhöht.

 

Fast die Hälfte aller Verletzungen ziehen sich die Heimwerker an Händen und Fingern zu – nicht ohne Grund heißt es Handwerk. Kopf und Gesicht sind laut DSH in gut Prozent aller bekannten Fälle betroffen, die Füße „nur“ bei zehn Prozent.

 

Am häufigsten sind offene Wunden, gefolgt von Prellungen. Manchmal endet es auch schlimmer. Laut Statistischem Bundesamt kommen pro Jahr rund . Menschen bei Unfällen in der Wohnung oder im Haus ums Leben. Die Zahl der tödlichen Haushaltsunfälle ist damit fast dreimal so hoch wie die der Verkehrstoten.

 

Was daraus zu lernen ist: Beim Umgang mit scharfem, sich bewegendem Werkzeug Handschuhe und Schutzbrille tragen. Festes Schuhwerk schadet auch nicht. Und man sollte sich nicht überschätzen.

 

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