„Die haben alle gesagt: ,Ruf mich an, wenn ihr wieder aufhaben dürft. Und setz’ mich auf die Liste.“ Die, das sind die Kundinnen und Kunden des Friseursalons. Viele von ihnen seien eigens noch kurz vor dem Lockdown und dem Weihnachtsfest in den Salon gekommen, verrät Brigitte Kippelt-Döbber . Nach der finalen Behandlung für das Jahr blieb den Kunden nur das Prinzip Hoffnung – und die prophylaktische Reservierung für die Zeit nach der erzwungenen Schließung aller Frisierstuben des Landes.

 

Doch bis dahin? Der Blick in den Spiegel ist für viele, die regelmäßig in den Salon gehen, eine Qual geworden. Die Frisur, die von den Mitarbeiterinnen des Salons Kippelt-Döbber mit viel Handwerkskunst betreut wird, mutiert immer mehr zu einer Ansammlung von Haaren, die vor allem eines brauchen – eine Schere.

 

„Das Haar wächst etwa einen Zentimeter pro Monat“, weiß die Metelener Friseurmeisterin. Mindestens elf Millimeter hat deshalb die mitunter nur mühsam gebändigte Haarpracht der Metelener in den vergangenen viereinhalb Wochen zugelegt.

 

Brigitte Kippelt-Döbber warnt allzu ungeduldige Zeitgenossen, selber Hand anzulegen: „Auf gar keinen Fall!“, schaut sie vor allem auf den Umgang mit der Schere – und macht eine kleine Ausnahme: „Bei Kindern darf der Pony, wenn er denn zu lang werden sollte, ein wenig nachgeschnitten werden. Aber bitte vorsichtig und nie auf einmal bis zur geplanten Länge. Lieber in mehreren Schritten.“

 

Do it yourself vor dem Badezimmerspiegel geht also, wenn es um den Umgang mit der Schere geht, fast immer daneben. Apropos Schere: „Nehmen Sie die schärfste, die sie im Hause haben“, gibt Brigitte Kippelt-Döbber einen Tipp. Im Salon selber werden die Scherensätze von Profis abgeholt und vom Schleifservice des Herstellers nachgeschärft – und das nicht ohne Grund. „Wir bemerkten sofort, wenn es da eine kleine Unschärfe gibt“, beschreibt die Metelenerin das wichtigste Handwerkszeug im Salon.

 

Die Länge sollte also auch im Lockdown nicht eigenmächtig verändert werden, wenn man unansehnliche Überraschungen vermeiden will. Wohl denen, die das Haar lang tragen. Da fallen ein oder zwei Zentimeter kaum auf. Anders bei Kurzhaarfrisuren. Diese fordern generell regelmäßig die Schere.

 

„Man kann da aber mit Pflegemitteln nachhelfen“, so der Tipp der Friseurmeisterin. Schaumfestiger, Haarspray und Gel und „über den Kopf föhnen“ sind probate Mittel, um trotz der vermeintlichen Matte, die man immerhin dem Virus in die Schuhe schieben kann, dem Haar Volumen zu geben und gepflegt rüberzukommen. „Auch Trockenshampoo erlebt gerade ein Revival. Da kann man sich mit retten“, weiß Brigitte Kippelt-Döbber.

 

Ein ganz komplexes Thema sind gefärbte Haare. Am Haaransatz im Scheitelbereich sieht es im Laufe der Wochen eben immer gräulicher aus – das nervt. „Das kann man ein bisschen kaschieren. Farbfestiger sind da ein Notbehelf und auch mit Wimperntusche lassen sich die grauen Ansätze ein wenig wegretuschieren“, rät die Salonbesitzerin aber dennoch zum vorsichtigen Umgang mit solchen Methoden.

 

Grundsätzlich sollten gefärbte Haare mit den gleichen Produkten behandelt werden, die man eh nutzt. Wer diese im Salon bezieht, kann sie nach Telefonanmeldung auch an der Tür abholen – maskiert und mit Abstand, versteht sich.

 

Dass gerade die männliche Kundschaft zum Haarschneider greift und Tabula rasa auf dem Haupt veranstaltet, weiß sie. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. „Niemals bei Undercut-Frisuren benutzen“, warnt die Expertin. Auf jeden Fall fehle es bei derartigen Experimenten an der Betonung der Konturen – viel Arbeit für die Friseure, wenn sie wieder öffnen dürfen. Brigitte Kippelt-Döbber jedenfalls freut sich schon drauf, die Vormerkungen für die Nach-Lockdown-Zeit wieder in Termine für ihr Team in die große Kladde eintragen zu dürfen. Der Run auf den Salon wird mindestens so groß sein wie nach dem ersten Lockdown: „Da haben wir drei bis vier Wochen jede Menge nacharbeiten müssen.“