Zu „Bis jemandem der Kragen platzte“ von Jasper von Altenbockum F.A.Z. vom . Januar: Der Beitrag macht deutlich, woran es bislang bei der Unterstützung für Pflegeeinrichtungen hapert: Es wird viel über Pflegeeinrichtungen gesprochen, aber nicht mit ihnen, oft nicht einmal vor Ort.Pflegeeinrichtungen werden seit Beginn der Krise überschwemmt mit wohlfeilen Ratschlägen, die aber in der Regel nicht zu Ende gedacht oder schlicht materiell oder personell nicht umsetzbar sind. Zumeist offenbaren sie lediglich die Unkenntnis vieler Entscheidungsträger vom Leben und Arbeiten in Pflegeeinrichtungen im . Jahrhundert. Zahlen, Daten, Fakten aus Pflegeheimen sind nicht verfügbar, weil sie nicht abgefragt werden. Einige Beispiele: Wie hoch ist die Sterblichkeit im Vergleich zu anderen Jahren? Wie viele positiv getestete Heimbewohner sind krank, wie viele symptomfrei? Wie viele leiden lebensbedrohlich unter der Quarantäne? Wie viele kommen tatsächlich in ein Krankenhaus?Es ist für Entscheidungsträger häufig einfacher, allgemeinen Vorurteilen zu folgen, als sich mit den Realitäten vor Ort auseinanderzusetzen. Im Zweifel sind die „Helden“ der Pflege angeblich nur unfähig, etwas umzusetzen. Berechtigte Einwendungen der Pflegeeinrichtungen im Vorfeld von Maßnahmen werden da gerne ignoriert. Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat jetzt beispielsweise verordnet, dass Pflegeheime ihr Personal ab sofort dreimal wöchentlich testen und auch Besuchern einen Schnelltest anbieten müssen. Begründung unter anderem: Pflegeheime erhalten pro Test neun Euro. Seit wann kann Geld testen? Es fehlen nach wie vor die Kräfte für die hohe Zahl an Schnelltests – die angeblich vielen wartenden Freiwilligen gibt es zumindest hier in der Rhein-Neckar-Region nicht in ausreichender Zahl. Obwohl Pflegeeinrichtungen seit Wochen auf diese Problematik hinweisen, kam die Bedarfsabfrage der zuständigen Kreise zwölf beziehungsweise Stunden nach Inkrafttreten der Regelung, unterlegt mit völlig unrealistischen Zeitvorgaben.Jörn Fuchs, Heidelberg

 

Nicht oft können wir Leser der F.A.Z. einen derart mit Legenden gespickten Leserbrief wie den von Folkert Kiepe lesen „Die SPD ist nur konsequent“, F.A.Z. vom . Dezember. Gut ist dennoch, dass die Redaktion auch solche Meinungsäußerungen publik macht, können wir doch so erkennen, wie wirklichkeitsferne Standpunkte in die politische Diskussion einfließen. Welche Erfolge hat die vom Leserbriefverfasser behauptete „konsequente Abrüstungs- und Entspannungspolitik der SPD“ angesichts derzeit aggressiver Hochrüstungen der Welt- beziehungsweise Großmächte wie der Volksrepublik China, der Russischen Föderation und der Vereinigten Staaten sowie anderer Mittelmächte gebracht? Warum ignoriert der Briefschreiber ausgerechnet die in diesen Tagen zur Schau getragene Spaltung der SPD, deren Bundestagsfraktion in der Frage der Beschaffung moderner Drohnen derart uneins ist, dass ihr verteidigungspolitischer Sprecher sein Amt aufgab? Was war mit der ungewöhnlichen Personalentscheidung in Bezug auf das Amt des Wehrbeauftragten? Kein Wort zum andauernden Vertragsbruch der Bundesregierung, die Verpflichtung aller Nato-Mitglieder, die Ausgaben zur Verteidigung zu harmonisieren.Hat sich etwa die SPD gegen diese Verpflichtung gewehrt? Hat Folkert Kiep nicht den SPD-Politiker Struck in Erinnerung, dass wir uns angesichts des internationalen Terrors auch „am Hindukusch verteidigen“ müssen? Ist nicht Bundeskanzler Helmut Schmidt bei seiner Forderung nach „Nachrüstung“ zur Wiederherstellung der atlantischen Sicherheit damals von „seiner“ SPD im Stich gelassen worden, was schließlich einer der Gründe für den Verlust seiner Kanzlerschaft gewesen ist? Weiß er nicht, dass gerade diese „Nachrüstung“ zu wichtigen Verträgen zur Begrenzung und sogar Abrüstung atomarer Waffensysteme geführt hat, die heute leider bedroht oder gar aufgehoben sind? Ist ihm bekannt, dass im Rajon Kaliningrad einst Königsberg und auf der von Russland militärisch eroberten Krim moderne Raketen installiert wurden und werden, die atomare Sprengköpfe tragen können? Und damit Mittel- und Westeuropa „in die Zange atomarer Bedrohung nehmen“? Sieht er nicht, dass an den verletzlichen südlichen und östlichen Grenzen Europas gefährliche, grausame kriegerische Konflikte stattfinden? Wo ist da SPD-Entspannungspolitik durch Abrüstung erfolgversprechend? Hat er noch nicht registriert, dass bewaffnete Drohnen längst zur Ausrüstung vieler kleiner Staaten, aber auch Terrororganisationen gehören? Und was ist mit längst eingeführten „unbemannten“ Waffensystemen zu Wasser und zu Land? Soll da eine ernstzunehmende Armee wie die Bundeswehr im wahrsten Sinne des Wortes wehrlos gemacht werden? Fragen über Fragen. Passender wäre für diese Lesermeinung die Überschrift gewesen: „Die SPD ist nur konsequent inkonsequent.“ Professor Dr. Ekkehard Wagner, LaufPegnitz

 

Zu „Von inneren und äußeren Bildern“ F.A.Z. vom . Januar: Oft lohnt es sich, bei der Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Inhalte einer Ausgabe in Beziehung zueinander zu setzen und auch den einen oder anderen Artikel aus dem F.A.Z.-Archiv aufzurufen: In der Ausgabe vom Dreikönigstag beschwört der Kunsthistoriker Hans Belting die gesellschaftliche Ordnungskraft von Bildern. Auch die große, abgebildete Renaissance-Ikone dieses Epiphanias-Tages, Botticellis Anbetung der Heiligen Drei Könige, ist ein solches Bild.Passend zum Belting-Essay, widmet sich die F.A.Z. folgerichtig diesem Bildphänomen, das zwar nicht eine konkrete Erinnerung umreißt, aber doch eine Vorstellung von legitimer Herrschaft geistig und bildlich manifestiert. Der Herrscher, der sich einer höheren Macht verpflichtet fühlt oder fühlen sollte, beugt sein Haupt vor dem Kind auf dem Schoß Mariens. Und der Künstler, hier Botticelli, beglaubigt in seiner Bildschöpfung diesen religiös-politischen Akt und stellt sich als beobachtende Schlussfigur an den Rand der Bildkomposition, wo er selbstbewusst Augenkontakt zum Betrachter, zu uns, aufnimmt. Dieses Bild blickt auf uns – und wir auf das Bild. Doch welche Richtung ist wichtiger? „Das natürliche Gedächtnis ist ein Ort der Bilder“, schreibt Belting in seiner F.A.Z.-Betrachtung. Vom Bild ausgehend und über das Bild hinaus entsteht über Erfahrungen und Traditionen auch etwas, was mindestens genauso bedeutsam sein könnte. Es sind unsere Sehgewohnheiten, Anschauungen der Welt über vermittelte Perspektiven. Man sollte in diesem Zusammenhang an Hans Beltings „Florenz und Bagdad“-Buch erinnern F.A.Z. vom . Mai , wo der Forscher die Entdeckung der Zentralperspektive von der Toskana in den Orient verschiebt. Nicht vorrangig als Entwicklung der Mal- und Bildtechnik, sondern als optisches Phänomen mit einer entscheidenden Transformation in eine neuzeitliche Weltsicht wird hier die Entdeckung der Zentralperspektive beschrieben. Das „Buch der Sehtheorie“ des arabischen Physikers, Mathematikers und Philosophen Alhazen –, das ab dem . Jahrhundert im lateinischen Westen rezipiert wurde, ist die entscheidende, schriftliche Quelle.Heute sprechen wir häufig von „Framing“, wenn es darum geht, Wahrnehmungszusammenhänge zu erzeugen, um bestimmte Inhalte zu transportieren. Wenn die Weitergabe solcher „Rahmen-Perspektiven“ unsere Sehgewohnheiten prägt, nimmt die Kraft der Bilder mit ihrer scheinbar fixierten, immanenten Sendungskraft in eine Richtung ab. Vielmehr erschaffen wir in unserer Anschauung, mit unseren Blick- und Sehgewohnheiten, Bilder und Inhalte und Botschaften neu. Hans Belting erinnert an Naipauls Blick auf ein Bild. Es geht um „Das Rätsel der Ankunft“ von de Chirico, das in seinem gleichnamigen, autobiographischen Trinidad-Roman eine Rolle spielt. Der Bildbetrachter wird zum Bildschöpfer, als Individuum oder als gesellschaftliche Formation. Wir alle sind über die Autorität unseres Blicks auf die Bilder Künstler: im Beuys-Jahr eine aktuelle Botschaft. Henry C. Brinker, Buchholz

 

Es gibt Tage, an denen sind meine Frau und ich geradezu verärgert, und diese Tage sind doch recht häufig. Worum geht es? Wir stöhnen darüber, dass wir mit dem Lesen der F.A.Z. nicht hinterherkommen bei der Vielzahl der interessanten Beiträge aus Politik, Wirtschaft, Sport, Feuilleton. Und dann gibt es Beiträge – ich nenne sie Perlen –, die mich ganz besonders und individuell ansprechen. Als Beispiel führe ich die Rezension von Alexander Košenina über „Der Kaplan“ von Klaus Mann an „Die Grauzone war nicht gewollt“, F.A.Z. vom . Januar. Das ist so gut und Neugierde weckend geschrieben, dass ich das Buch schon morgen in meiner Buchhandlung abholen kann. Ich freue mich auf die Lektüre – auch auf die weiterer Perlen in der F.A.Z.. Christian George, Wiesbadenn