Kiki Dietz blickt von außen durch die Scheibe in ihre Werkstatt für Malerei an der Kirchstraße in Ossenberg. Einige von Kindern gemalte Bilder hat sie bereits an der Scheibe aufgehängt. Foto: Armin Fischer arfi

Ossenberg Die Ossenberger Künstlerin hat eine Aktion gestartet. Sie ruft Jungen und Mädchen dazu auf, zu Stift oder Pinsel und Papier zu greifen und sich den Frust des Lockdowns von der Seele zu malen. Die Ergebnisse werden aufgehängt.

 

„Eine Bäuerin auf einem Traktor“ hat der kleine Erik sein Bild betitelt. Und der zweieinhalbjährige Junge hat eine ganz genaue Vorstellung davon, wo es ausgestellt werden soll: im Schaufenster des Rheinberger Spielzeuggeschäfts Nimmerland von Andrea Adams am Innenwall. „Ich habe es heute dorthin gebracht“, sagt Kiki Dietz und freut sich über die Arbeit des Nachwuchsmalers. Die Ossenberger Künstlerin hatte unlängst Kinder per dazu aufgerufen, Selbstporträts zu malen. Bilder, die zeigen, wie sich die Kinder selbst beim Malen sehen. Über Mal ist dieser Post auf geteilt worden, so dass er mehrere tausend Menschen erreicht haben dürfte. Rückmeldungen in Form von kreativen Werken kamen unter anderem aus Trier und Frankfurt. Und eine sogar aus England. Eine internationale Aktion also.

 

Mittlerweile hat Kiki Dietz rund Bilder im Schaufenster ihres Ateliers an der Kirchstraße a in Ossenberg ausgestellt. Mit dem Spielzeuggeschäft Nimmerland, dem Restaurant Pepperpot und der Buchhandlung Schiffer-Neumann hatte Dietz kurzerhand drei weitere „Schaufensterflächen“ akquiriert. Und auch der Terrazoo am Melkweg hat sich jetzt bereit erklärt mitzumachen. Der Zoo könnte Kinder dazu animieren, Tiere zu malen. „Nicht nur Reptilien, alles mögliche“, sagt die Künstlerin.

 

Die Künstlerin Kiki Dietz kam aus Lahnstein an den Niederrhein. Seit arbeitet sie in ihrem Atelier „Werkstatt für Malerei“ in Ossenberg. Dort gibt sie auch Kurse und leitet Workshops.

 

Thematische Vorgaben hat die Ossenbergerin den Kindern nicht an die Hand gegeben. Doch im Hinblick auf die verschiedenen Ausstellungsorte bieten sich bestimmte Motive quasi an: Im Nimmerland–Fenster dreht sich alles um Spielzeug, im Pepperpot um Essen und Lieblingsgerichte, und bei Schiffer geht’s um Bücher und das Schmökern. Inhaberin Petra Neumann hat extra ein passendes Buch dazu rausgesucht. Die Idee zu der Aktion sei ihr nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie gekommen, sagt Dietz. Kinder sitzen zu Hause, weitgehend ohne Freunde und ohne Freizeitaktivitäten. „Als mich dann ein Knirps darum bat, sein Bild zu ‚bewerten‘, habe ich den Einfall umgesetzt“, schildert Kirsten Dietz. Um einen Anreiz zu schaffen, sich überhaupt mit dem Malen auseinanderzusetzen, habe sie zunächst das Thema Selbstporträt vorgegeben – ohne weitere Einschränkung. Jetzt freut sie sich, wenn die „Ausstellung“ sich weiterentwickelt: drei Generationen – Großeltern, Eltern und Kinder – malen ihre Bilder, die später gemeinsam ausgestellt werden. Die Schaufenster von Kiki Dietz‘ Atelier, Nimmerland, Pepperpot und Schiffer bilden somit eine Art Open-Air-Galerie, die Familien bei einem Spaziergang entdecken können. Kleine, aber auch große Künstler, die mitwirken und ein Bild beisteuern möchten, können ihre Werke im Atelier an der Kirchstraße a in Ossenberg abgeben. „Dort findet man an der Tür eine Beutel, in dem die Bilder sicher verstaut sind“, so Kiki Dietz. Sie versichert: Zumindest solange wir aufgrund von Corona zu Hause bleiben müssen, könne die Aktion laufen.