Sudweyher Eltern wollen für ihre Kinder nach dem Vorbild des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz eine Lüftungsanlage für die Klassenräume einbauen. Die Schulleitung ist dafür. Die Gemeinde nennt Gründe, weshalb sie den Eltern den Einbau der Anlage nicht erlauben will.

Gemeinde erlaubt das nicht, will den Versicherungsschutz nicht verlieren und verweist auf die Ausführungen des Landesgesundheitsamt.

  • Weyhe – Beim Thema Lüftungsanlagen für Klassenräume gehen die Meinungen auseinander: Das wurde am Dienstagabend im digital tagenden Ausschuss für Schule, Kindertagesstätten und Jugend mehr als deutlich.

     

    Die FDP hatte vor, Fördermöglichkeiten für Luftfiltersysteme prüfen zu lassen, zog ihren Antrag aber in der Sitzung zurück, um noch in der Nacht einen erweiterten Antrag einzureichen. Eltern von Sudweyher Grundschulkinder wollen ganz konkret eine Do-it-yourself-Anlage installieren wir berichteten. Sie äußerten in der Sitzung ihren Unmut, weil die Gemeindeverwaltung dieses Vorhaben ablehnt.

     

    „Wieso sträubt sich die Gemeinde“, den Einbau einer Anlage zu genehmigen, die Wissenschaftler in Mainz entwickelt hätten?, möchte der Vater einer Zweitklässlerin wissen. Fabian von Weyhe, zuständiger Fachbereichsleiter, erläutert, dass die Gemeinde nicht ihren Versicherungsschutz aufs Spiel setzen wolle. Gebe es anderslautende Empfehlungen, dann „würden wir uns sicherlich Gedanken machen“. Auch Bürgermeister Frank Seidel SPD schaltete sich in die Diskussion ein. Er habe „großes Verständnis“ für das Anliegen der Eltern, räumte er vor mehr als Teilnehmern ein, die die Sitzung digital verfolgten. Er habe mit dem Vater, der sich für den Einbau der Anlage von Mainzer Forschern des Max-Planck-Instituts einsetzt, gesprochen und sogar Berichte darüber angesehen. Weyhe liege aber in Niedersachsen und nicht in Rheinland-Pfalz. „Wenn wir Stellungnahmen vom Landesgesundheitsamt haben“, müsse er das ernst nehmen, so der Bürgermeister. Das sollten die Eltern zur Kenntnis nehmen, auch wenn sie nicht damit zufrieden seien.

     

    Allerdings räumt das Landesgesundheitsamt ein, dass wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich als belastbar herausstellen, zeitnah in die Einschätzungen einbegezogen würden. Diese müssten zuvor durch öffentliche Stellen wie dem Umweltbundesamt geprüft werden. Möglicherweise stellt sich heraus, dass die Anlage aus Mainz auch für niedersächsische Schüler in Betracht kommt.

     

    Schön jetzt ist klar: Viele Wissenschaftler beschäftigen sich mit dem Thema: Der Wissenschaftler Prof. Dr. Eberhard Bodenschatz von der Uni Göttingen habe die Raumluftreinigung und deren Ansteckungsriskio in Klassenräumen durch das Coronavirus berechnet und komme zu diesem Ergebnis: Eine Klasse sollte bei typischer Raumgröße nur Schüler haben. Stoffmasken seien ungeeignet. Der Mundnasenschutz müsse permanent getragen werden. Ein ständiger Aerosolwechsel von mindestens vier, besser acht mal pro Stunde sei zu empfehlen. Das sei nicht mit Lüften, sondern nur mit technisch unterstützter Raumluftbehandlung Ventilator im Fenster oder Aerosolreiniger möglich.

     

    Die Liberale Joyce Budelmann sagt, dass sich Verwaltung und Politik weiter mit der Pandemie beschäftigen müsse, denn sicherlich sei sie ebenfalls im kommenden Jahr ein Thema. Und eines sei für sie klar: Speziell im Winter werde es den Kindern nach dem Stoßlüften kalt. „Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung“, sagt die Vertreterin der FDP. Lehrer seien davon nicht ausgeschlossen.

     

    Dem widerspricht Helgard Struckmeier von der CDU. Sie sei selbst Lehrerin und sehe dagegen „keine Probleme“. „Alle haben sich daran gewöhnt, vieles schleift sich ein.“ Man müsse nach vorne schauen und „die Dinge nicht hochspielen“. Die Christdemokratin glaubt, dass der Unterricht mit einer Lüftungsanlage nicht glücklicher sei. „Die Geräuschkulisse würde mir auf die Nerven gehen.“ Auch Martin Stamnitz, Rektor der Grundschule Leeste, sieht keine Alternative: „Das Lüftungsverhalten ist durch den Hygieneplan der Landesschulbehörde verbindlich vorgeschrieben. Das Lüftungsverhalten ist verbindlich umzusetzen.“

     

    Die FDP will nun die Weyher Schulen mit speziellen, geräuschlosen Ventilatoren ausgestattet wissen, so die Fraktionsvorsitzende Antje Sengstake. Sie wünscht sich, dass der Antrag spätestens im nächsten Schulausschuss abgestimmt wird.